wenn sich in einem die frage auftut, ob das alles so richtig ist. ob das leben nicht viel einfacher wäre, wenn man weniger hinterfragen, kritisieren und reflektieren würde. ob die fragenden und nicht verstehenden blicke aufhören würden. ob die ungefragte kritik von anderen einfach nicht mehr existieren würde. ob menschen weniger werten würden.
was wäre wenn ich andere wege gewählt hätte? wenn ich nicht viel früher als die meisten menschen meinem elternhaus den rücken gekehrt hätte. wenn ich dort geblieben wäre. in meinem alten zimmer mit den hässlichen grünen wänden und den abscheulichen holzmöbeln aus den 90ern die alle irgendwie schon von zich menschen ihr eigen genannt wurden. mit dem gresslich gelben tuch über meinem bett, welches eigentlich eine gardine war, ich aber als himmel nutze, um ein bisschen gemütlichkeit zu zaubern. der sessel, der mein schreibtischstuhl darstellte und rückblickend betrachtet wahrscheinlich den meisten teil an meiner derzeitigen fehlhaltung und meinen schmerzen beitrug. die kleine, dunkle küche mit den komischen holzmöbeln. die seltsame holztreppe, dessen stufen so rutschig waren, dass ich nicht nur einmal ausrutschte und sie einer rutsche glich. das kleine haus. irgendwo in norddeutschland in einer straße mit dem wohl seltsamsten namen, den ich je gehört hatte. mit der buntesten nachbarschaft, die ich je hatte. mein alter mathelehrer aus der grundschule, der immer der meinung war, ich würde es zu nichts bringen und sich so freute, als er von meinen eltern erfuhr, dass ich nicht nur meine mittlere reife nachholte, sondern im anschluss auch zwei ausbildungen ohne große probleme abschloss. der bauer, bei dem wir jeden tag frische milch aus dem tankwagen nehmen durften und das eurostück auf die ablage legten. bei dem ich in kinderjahren über den hof lief, dinge entdeckte, kälber fütterte, kühe streichelte, katzen meine besten freunde waren. der große stein, an dem wir spielten, obwohl wir es nicht durften. die kastanienbäume an beiden enden der straße. die momente im herbst, als es so stürmisch war und der wind nach und nach die kleinen früchte vom baum holte und wir sie sammelten für den förster, um den rehen etwas gutes zu tun im örtlichen wald. die kleine landstraße, die nur ansässige kannten und ab und zu nutzen, war ein paradies. umgeben von knick und tollen bäumen, die zum klettern einluden. die koppeln mit den heu- und strohballen. die tollen verstecke, die wir immer und immer wieder besuchten und dennoch stetig neue fanden. natürlich bekamen wir jedes mal ärger, weil wir hier und dort nicht spielen durften, aber das nahmen wir in kauf. immer. die momente, in denen wir kinderserien auf der straße nachspielten und an lauen sommertagen das dorf mit den inlinern unsicher machten. mein judo verein und die menschen, die ich dort kennenlernte.
dinge, die ich damals so sehr hasste. dinge, die in meinem heutigen kopf geschichten erzählen. dinge, die ich heute sehr liebe und mit großer wertschätzung betrachte. es war nicht alles schlecht. ich bin eben wie ich bin. launisch, forsch, ehrlich, egozentrisch und laut. und doch so zerbrechlich und schüchtern, emotional und sensibel. denn im gegenzug gesellen sich gedanken, die durchtrieft von trauer, wut und hass sind. geschreie. schläge. streit. alleinsein. das fünfte rad am wagen.
als ich mich damals mit zwölf jahren bei meinem opa am computer mit der hilfe meiner cousine und ihrer freundin bei knuddels anmeldete und kurze zeit darauf eine community seite für mädchen fand, wurde der weg eröffnet. der weg in ein leben, welches wenig mit dem echten leben zutun hat. dem leben, welches ich mir gewünscht hätte. ich verbrachte anfänglich wenig zeit im internet, weil ein eigener computer noch in weiter ferne lag. es gab diese momente von oben noch. ein jahr später wurde mein traum wahr und ich bekam ein internetfähigen computer. zwar mit einschränkungen, aber ab da an interessierte mich die reale welt nicht mehr. ich lernte menschen kennen, virtuell. vergaß diejenigen, die ich bisher um mich hatte. verlor freundschaften. verlor mich selbst. in den weiten des netztes. was heißt ich verlor mich selbst... das stimmt nicht ganz. ich habe viel mehr nie den weg gefunden, mich selbst kennenzulernen. über mich und meine grenzen hinauszuwachsen. meine persönlichkeit zu entfalten und neue seiten zu öffnen. diese kapitel bleiben auf immer ungeöffnet. meine kompetenzen mit menschen im echten umzugehen glichen den eines zweijährigen kindes. sobald mir jemand auch nur ansatzweise zu nah kam und mir wehtat, fing ich das heulen an, schubste, beißte, kratze. die unzähligen pausen auf dem mädchenklo. die unzähligen tränen. die unerträglichen schmerzen, die ich tag für tag ertragen musste, weil ich nicht wusste wo ich her kam. das internet hielt mich. die menschen, die ich kennenlernte und irgendwie als meine freunde betitelte, waren da. aber hinter den worten verbag sich genauso viel wie vor meiner haustür - nämlich nichts. nichts und niemand, der da war und mich umarmte, wenn ich es am dringendsten brauchte. wie naiv ich doch war. von den endlosen, nicht mehr zählbaren freundschaften, besteht heute noch genau eine. das ist gut. das ist schön. und so unendlich wichtig für mich. denn sie zeigt mir, dass es nicht ganz umsonst war, so viele jahre in den fängen des internets gefangen gewesen zu sein.
denn letztlich... wenn ich mich heute betrachte. bin ich ein mensch, der aktuell vieles nachholt. zumindest irgendwie. so halb. ich habe angst. furchtbare angst davor, weiter zu gehen. dass sich etwas ändert. dass ich meine komfortzone verlassen muss. und das internet hat mich noch immer fest im griff. in der hoffnung, menschen zu treffen, die ich irgendwann einmal wirklich lieben kann. menschen, die da sind. die ich wirklich als freunde wahrnehme. menschen, die mehr als nur eine leere hülle hinter belangenlosen worten sind.
ich wünschte mir, ich hätte mich bereits in meiner teenager phase mit den fragen, die mich heute beschäftigen, auseinander gesetzt. nachhaltigkeit. konsumverzicht. chancengleichheit. alternative heilkunde. yoga. selbstliebe und akzeptanz. selbstbestimmung. frei sein. dinge erleben. neue, reale welten entdecken. neues lernen. und auch wenn diese dinge mittlerweile alle irgendwie einen kleinen teil in meinem leben einnehmen, lämt meine angst mich. sie beraubt mich der fähigkeit, weiter zu gehen. diese dinge, die mich so sehr interessieren, zu verinnerlichen. mich wirklich mit ihnen auseinanderzusetzen. ich fühl mich schwach. das leben stagniert. vielleicht auch, weil das vergangene halbe jahr voller stress- und konfliktsitationen ist, die ich irgendwie bewältigen muss, obwohl ich nie gelernt habe, damit umzugehen.
ich wäre so gerne das kleine mädchen, welches ich war, bevor ich diese welt betrat. ich wünsche mich so sehr zurück an diesen ort, den ich als kind so sehr hasste und verabscheute. es war gut zu gehen, mir hat der neuanfang, auch wenn es eher blind drauf zu war, gut getan. aber ich sehe mich, als kleines kind, auf diesen stein sitzen, während am horizont die sonne untergeht und die vögel zwitschern...
... und jetzt wo ich so voller sehnsucht bin, sagst du lächelnd zu mir, "lass uns nich vergessen, dass jetzt auch einmal ein damals wird. voller goldener farben die nur so in dir schimmern, also lebe, also lebe, als würdest du dich jetzt an dich erinnern".
pohlmann - im wald nebenan
was wäre wenn ich andere wege gewählt hätte? wenn ich nicht viel früher als die meisten menschen meinem elternhaus den rücken gekehrt hätte. wenn ich dort geblieben wäre. in meinem alten zimmer mit den hässlichen grünen wänden und den abscheulichen holzmöbeln aus den 90ern die alle irgendwie schon von zich menschen ihr eigen genannt wurden. mit dem gresslich gelben tuch über meinem bett, welches eigentlich eine gardine war, ich aber als himmel nutze, um ein bisschen gemütlichkeit zu zaubern. der sessel, der mein schreibtischstuhl darstellte und rückblickend betrachtet wahrscheinlich den meisten teil an meiner derzeitigen fehlhaltung und meinen schmerzen beitrug. die kleine, dunkle küche mit den komischen holzmöbeln. die seltsame holztreppe, dessen stufen so rutschig waren, dass ich nicht nur einmal ausrutschte und sie einer rutsche glich. das kleine haus. irgendwo in norddeutschland in einer straße mit dem wohl seltsamsten namen, den ich je gehört hatte. mit der buntesten nachbarschaft, die ich je hatte. mein alter mathelehrer aus der grundschule, der immer der meinung war, ich würde es zu nichts bringen und sich so freute, als er von meinen eltern erfuhr, dass ich nicht nur meine mittlere reife nachholte, sondern im anschluss auch zwei ausbildungen ohne große probleme abschloss. der bauer, bei dem wir jeden tag frische milch aus dem tankwagen nehmen durften und das eurostück auf die ablage legten. bei dem ich in kinderjahren über den hof lief, dinge entdeckte, kälber fütterte, kühe streichelte, katzen meine besten freunde waren. der große stein, an dem wir spielten, obwohl wir es nicht durften. die kastanienbäume an beiden enden der straße. die momente im herbst, als es so stürmisch war und der wind nach und nach die kleinen früchte vom baum holte und wir sie sammelten für den förster, um den rehen etwas gutes zu tun im örtlichen wald. die kleine landstraße, die nur ansässige kannten und ab und zu nutzen, war ein paradies. umgeben von knick und tollen bäumen, die zum klettern einluden. die koppeln mit den heu- und strohballen. die tollen verstecke, die wir immer und immer wieder besuchten und dennoch stetig neue fanden. natürlich bekamen wir jedes mal ärger, weil wir hier und dort nicht spielen durften, aber das nahmen wir in kauf. immer. die momente, in denen wir kinderserien auf der straße nachspielten und an lauen sommertagen das dorf mit den inlinern unsicher machten. mein judo verein und die menschen, die ich dort kennenlernte.
dinge, die ich damals so sehr hasste. dinge, die in meinem heutigen kopf geschichten erzählen. dinge, die ich heute sehr liebe und mit großer wertschätzung betrachte. es war nicht alles schlecht. ich bin eben wie ich bin. launisch, forsch, ehrlich, egozentrisch und laut. und doch so zerbrechlich und schüchtern, emotional und sensibel. denn im gegenzug gesellen sich gedanken, die durchtrieft von trauer, wut und hass sind. geschreie. schläge. streit. alleinsein. das fünfte rad am wagen.
als ich mich damals mit zwölf jahren bei meinem opa am computer mit der hilfe meiner cousine und ihrer freundin bei knuddels anmeldete und kurze zeit darauf eine community seite für mädchen fand, wurde der weg eröffnet. der weg in ein leben, welches wenig mit dem echten leben zutun hat. dem leben, welches ich mir gewünscht hätte. ich verbrachte anfänglich wenig zeit im internet, weil ein eigener computer noch in weiter ferne lag. es gab diese momente von oben noch. ein jahr später wurde mein traum wahr und ich bekam ein internetfähigen computer. zwar mit einschränkungen, aber ab da an interessierte mich die reale welt nicht mehr. ich lernte menschen kennen, virtuell. vergaß diejenigen, die ich bisher um mich hatte. verlor freundschaften. verlor mich selbst. in den weiten des netztes. was heißt ich verlor mich selbst... das stimmt nicht ganz. ich habe viel mehr nie den weg gefunden, mich selbst kennenzulernen. über mich und meine grenzen hinauszuwachsen. meine persönlichkeit zu entfalten und neue seiten zu öffnen. diese kapitel bleiben auf immer ungeöffnet. meine kompetenzen mit menschen im echten umzugehen glichen den eines zweijährigen kindes. sobald mir jemand auch nur ansatzweise zu nah kam und mir wehtat, fing ich das heulen an, schubste, beißte, kratze. die unzähligen pausen auf dem mädchenklo. die unzähligen tränen. die unerträglichen schmerzen, die ich tag für tag ertragen musste, weil ich nicht wusste wo ich her kam. das internet hielt mich. die menschen, die ich kennenlernte und irgendwie als meine freunde betitelte, waren da. aber hinter den worten verbag sich genauso viel wie vor meiner haustür - nämlich nichts. nichts und niemand, der da war und mich umarmte, wenn ich es am dringendsten brauchte. wie naiv ich doch war. von den endlosen, nicht mehr zählbaren freundschaften, besteht heute noch genau eine. das ist gut. das ist schön. und so unendlich wichtig für mich. denn sie zeigt mir, dass es nicht ganz umsonst war, so viele jahre in den fängen des internets gefangen gewesen zu sein.
denn letztlich... wenn ich mich heute betrachte. bin ich ein mensch, der aktuell vieles nachholt. zumindest irgendwie. so halb. ich habe angst. furchtbare angst davor, weiter zu gehen. dass sich etwas ändert. dass ich meine komfortzone verlassen muss. und das internet hat mich noch immer fest im griff. in der hoffnung, menschen zu treffen, die ich irgendwann einmal wirklich lieben kann. menschen, die da sind. die ich wirklich als freunde wahrnehme. menschen, die mehr als nur eine leere hülle hinter belangenlosen worten sind.
ich wünschte mir, ich hätte mich bereits in meiner teenager phase mit den fragen, die mich heute beschäftigen, auseinander gesetzt. nachhaltigkeit. konsumverzicht. chancengleichheit. alternative heilkunde. yoga. selbstliebe und akzeptanz. selbstbestimmung. frei sein. dinge erleben. neue, reale welten entdecken. neues lernen. und auch wenn diese dinge mittlerweile alle irgendwie einen kleinen teil in meinem leben einnehmen, lämt meine angst mich. sie beraubt mich der fähigkeit, weiter zu gehen. diese dinge, die mich so sehr interessieren, zu verinnerlichen. mich wirklich mit ihnen auseinanderzusetzen. ich fühl mich schwach. das leben stagniert. vielleicht auch, weil das vergangene halbe jahr voller stress- und konfliktsitationen ist, die ich irgendwie bewältigen muss, obwohl ich nie gelernt habe, damit umzugehen.
ich wäre so gerne das kleine mädchen, welches ich war, bevor ich diese welt betrat. ich wünsche mich so sehr zurück an diesen ort, den ich als kind so sehr hasste und verabscheute. es war gut zu gehen, mir hat der neuanfang, auch wenn es eher blind drauf zu war, gut getan. aber ich sehe mich, als kleines kind, auf diesen stein sitzen, während am horizont die sonne untergeht und die vögel zwitschern...
... und jetzt wo ich so voller sehnsucht bin, sagst du lächelnd zu mir, "lass uns nich vergessen, dass jetzt auch einmal ein damals wird. voller goldener farben die nur so in dir schimmern, also lebe, also lebe, als würdest du dich jetzt an dich erinnern".
pohlmann - im wald nebenan
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